Vermissen.

Weißt du, was komisch ist? Heute ist es 7 Jahre her, dass du von uns gegangen bist. Es ist jetzt 2:31 Uhr (ja, ich schlafe in den letzten Wochen mehr als beschissen) und du warst mein erster Gedanke, als ich vor etwa einer halben Stunde wach geworden bin. Eigentlich ist es doch so, dass man mit den Jahren lernt, mit dem Gedanken zu leben. Nicht, das man dich weniger vermisst, aber es ist nicht ständig präsent, so wie in den ersten Tagen und Wochen danach. Eigentlich.
Aber in den letzten 2 bis 3 Wochen vermisse ich dich mehr als zuvor. Vielleicht liegt es daran, dass ich dich noch nie so gebraucht habe, wie jetzt.

Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt so hilf- und ideenlos gefühlt habe wie in den letzten Wochen. Oft geweint habe ich auch.
Aber was solltest du dagegen tun, wenn du noch da wärst? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber trotzdem habe ich das Gefühl, als würde es mir helfen.
Papa hat mal zu mir gesagt, dass wir beide uns ähnlicher waren als den anderen beiden. Vielleicht hatte er Recht. Vielleicht lag es daran, dass wir beide extrem dickköpfig und oft uneinsichtig waren. Ich weiß noch, dass es zwischen uns beiden immer am heftigsten geknallt hat, wenn wir uns gezofft haben. Viel stärker als wenn wir Zoff mit den anderen hatten.
Du weißt nicht, wie mir das fehlt.

Und jetzt sitze ich hier völlig daneben vor meiner Tastatur und mein Kopf ist so von Nützlichem befreit, dass es erschreckend ist. Viel Chaos geht da oben ab. Ein Gewirr aus einer Million Gedanken, die nicht zusammen passen und pausenlos aufeinander knallen. Und ich bringe keine Ruhe rein. Es gewittert in meinem Kopf, so das ich nicht schlafen und oft nicht mehr lachen kann.
Ich habe komplett den Halt verloren. Den Bezug zum Alltag. Ich klammere mich immer wieder an Erinnerungen. Erinnerungen an Momente, die schön und glücklich waren. Dann gelingt es mir manchmal, runter zu fahren, um einschlafen zu können. Das Aufwachen ist dann aber oft um so heftiger.

Und schon ist es wieder so weit! Regungslos sitz ich hier, 1000 Worte in meinem Kopf, die zu dir sprechen wollen und ich bringe sie nicht heraus.

Also mache ich jetzt Schluss für heute und versuche, mich wieder in den Schlaf zu bringen.

Nur eins noch: Wenn du es irgendwie einrichten kannst, ich könnte deine Hilfe wirklich gut brauchen.

Einfach Angst.

Als ich nach der Schule den Plan gefasst hatte, Pilot bei der Bundeswehr zu werden, wurde ich nach Hannover geschickt, zur ersten Station, die Bewerber meistern mussten. Dort stand unter anderem ein Sporttest an, ebenso eine MPU. Ein anderer Bewerber fragte mich, ob ich gar nicht nervös sei und ich antwortete:“Ich bin noch nie durch irgendeine Prüfung gefallen und ich habe nicht vor, jetzt damit anzufangen.“

Und dabei blieb es. Weder in der Abschlussprüfung der Schule, der Gesellenprüfung oder bei den Prüfungen für meine Feuerwehrlehrgänge habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht, durchfallen zu können.

Heute bin ich, nach den Vorkomnissen, die dazu geführt haben, dass ich nicht auf die Convention im nächsten Monat gehe, sogar zu ängstlich, um auf Facebook zu kommentieren, wenn ich mich dazu der englischen Sprache bedienen müsste. Ich habe einfach Angst davor, es falsch zu machen und noch mehr, ausgelacht zu werden.
Selbst auf der Arbeit, wo ich mich sonst so sicher wähnte, schrecke ich vor Entscheidungen immer mehr zurück. Als wäre in meinem Kopf eine Blockade entstanden, die mir die Ideen raubt und den Mut, etwas zu probieren oder zu riskieren.

Und so habe ich zurückgeblickt auf die letzten 25 Jahre und darauf, was ich geleistet oder erreicht habe. Ich stand im Sport immer im Schatten meiner Brüder. Wir haben über viele Jahre die selben Sportarten betrieben. Und immer war ich die Nummer 4. Im Handball, beim Schwimmen, beim Badminton. Einzig beim 100m-Lauf war ich einen Hauch schneller als die 3. Und das obwohl ich trainiert habe wie ein Ochse. Neben dem üblichen Training bin ich laufen gegangen, bin nach dem Training noch in der Halle geblieben um mit den Älteren noch weiter zu trainieren. So kam ich auf gute 6 bis 7 Stunden Extratraining die Woche. Für einen Amateur sicher nicht wenig. Dennoch ist es mir nie gelungen, auch nur auf eine Armlänge an sie heran zu kommen. Da ich körperlich nicht mithalten konnte, weil ich immer recht klein, dünn und auch nicht sehr kräftig war, habe ich versucht, dass wettzumachen. Durch Schnelligkeit, Einsatz und Durchhaltevermögen. Es hat nie gereicht. Mein kleiner Bruder hat im letzten Jahr in 4 Spielen 60 Tore geworfen. Ich habe es mal auf 54 gebracht. In einer ganzen Saison.
Als ich vor einiger Zeit in Mamas Keller unsere Urkunden und Medaillen gefunden und geschmökert habe fiel mir auf, dass ich als einziger mehr 4. bis x-te Plätze gemacht habe, als das ich unter den ersten 3 war und auf dem Treppchen stand.

Ich weiß nicht, warum mich das so viele Jahre später noch oder wieder belastet. Fehlt mir ein Erfolgserlebnis? Ich kann mit „Dabei sein ist alles“ nicht viel anfangen. Es ist dieses schreckliche Gefühl, immer nur daneben zu stehen. Nie wirklich dabei zu sein. Jemand zu sein, der austauschbar ist. Und mit jedem Tag wächst der Gedanke, das mein Leben keine spannende Geschichte geben würde. Ich habe nie etwas außergewöhnliches erlebt. Habe in keinerlei Hinsicht spannende Geschichten zu erzählen. Es gibt einfach nichts mehr, worauf ich stolz sein kann.

Als ich vor Jahren mal mit H. darüber sprach und sie nicht verstand, warum es mich so zerfrisst, fragte ich sie, ob sie wisse, was Buzz Aldrin sagte, als er als 2. Mensch den Mond betrat. Sie verneinte, worauf ich sagte:“Niemand weiß das. Weil Armstrong der erste war.“ Ich glaube, dann verstand sie.

Zu schwach für vieles!

Es ist kein großes Geheimnis, dass ich oft verunsichert bin und mich zurück ziehe, verkrieche oder wenigstens im Hintergrund halte.
Aber jetzt scheint es so, als würde mich die kleinste Kleinigkeit vollkommen aus der Bahn werfen. Eben habe ich mein Convention-Hotel storniert und somit hat sich die Convention auch erledigt. Und das wegen einer Kleinigkeit, wegen 2 Kommentaren auf Facebook, die nicht einmal böse gemeint sind. Und ich hab mich so unglaublich lange drauf gefreut aber jetzt sehe ich mich außer Stande, hinzugehen.
Klar hätte ich noch einmal drüber schlafen können um dann zu sehen, wie es mir geht. Aber es wäre immer ein Zweifel geblieben. Oder die Unsicherheit. Und so habe ich gleich nach Feierabend mein Zimmer storniert. Damit habe ich einiges an Geld gespart, frage mich aber schon, wie ich den wenigen, die wissen, wann die Convention ist erkläre, warum ich nicht gehe und warum ich jetzt kein Ticket mehr brauche. Jemand Interesse daran?

Kann man verlernen, sich zu freuen?

Ich habe ja schon vor langer Zeit die Fähigkeit verloren, mich für andere zu freuen. Bis auf wenige Ausnahmen gab es für mich kein „Ich freu mich für dich/euch“, wenn eine Hochzeit, ein neuer Job oder Nachwuchs anstand. Warum das so ist? Ich kann es wohl nur auf meinen Neid schieben. Scheiß Angewohnheit.

Jetzt habe ich aber das Gefühl, dass ich mich nicht einmal mehr freuen kann, wenn es um mich selbst geht. Weder auf die spärlichen freien Tage, noch auf Feiern, die anstehen. Und nicht einmal auf die Convention im Mai freue ich mich, obwohl ich so enthusiastisch war, als ich das Ticket bestellt und das Hotel gebucht habe. Woran mag das liegen? Momentan spiele ich mit dem Gedanken, gar nicht hin zu gehen. Dabei müsste ich das Hotel dennoch bezahlen, glaube ich. Bin da nicht ganz sicher, aber selbst das wäre mir egal.

Nicht einmal ein Besuch von H. würde bei mir einen Hauch Freude auslösen, befürchte ich. Und das war eigentlich das, worauf ich mich die letzten Jahre immer am meisten gefreut habe. Irgendwie bereitet mir dieses Thema sogar schlaflose Nächte. Oder Tage, weil ich Nachts arbeite. Also, ich schlafe schon, aber ich schlafe deutlich schlechter ein als gewöhnlich. Ich wünschte, ich wäre ein Roboter, dann wüsste ich, woran es liegt und es würde mich nicht stören. Außerdem sind Roboter cool. Verdammte Scheiße!

Selbstzweifel! Oder: Die Angst zu verblöden.

Sollte ich jemals eine Liste mit den Dingen aufstellen, die ich gut kann, würde die in etwa so aussehen:

1. Küssen
2. Meinen Job

Beides ist nicht von elemanterer Wichtigkeit und zumindest der erste Punkt lässt sich schwer nachweisen, was unter anderem daran liegt, dass ja Geschmäcker und Vorlieben verschieden sind.
Ich habe gerade mal wieder eine Nachtschicht hinter mich gebracht und bin drauf und dran, ein Frustbier zu trinken. Heute blieben sogar Mineralwasser und Kräutertee so wie meine Brote liegen und ich habe mich dagegen von Cola, Erdnüssen und Schokolade ernährt. Bei mir ein Zeichen dafür, dass ich gestresst bzw angefressen bin. Der Grund ist auf den ersten Blick ziemlich banal, man könnte sogar „albern“ sagen, aber ich habe es in der ganzen Schicht nicht geschafft, meine Anlage so zum Laufen zu bringen, dass ich selbst zufrieden war. Klar, es ist was rausgekommen und ab und an hat man Produkte, die aufgrund der Größe, des Papiers oder der Qualität schwierig sind und wo man sich schonmal um den Verstand stellt und probiert, aber das hier war ein Produkt, dass selbst jeder Anfänger binnen Minuten hinbekommen hätte.

Ähnliches passierte mir vor Monaten schonmal, als mir eine Kollegin an meinem freien Tag ein Problem an der Anlage schilderte und mich gefragt hat, woran das liegen könne. Ich kannte das Problem, ich kannte die Lösung, aber mir fiel sie nicht ein. Und sie sagte am Montag darauf, dass sie gedacht hat, ich wüsste, was zu tun ist.

Dazu habe ich gemerkt, dass ich es nicht schaffe, einen einfachen englischen Satz zu übersetzen. Bzw eine Vokabel darin, die ich mir in dem Zusammenhang einfach nicht erklären konnte.
Sowas löst bei mir ein schrecklich starkes Gefühl der Verzweifelung aus. Man könnte auch sagen, ich halte mich dann extrem schnell für Unfähig. Das führt zu einem Gedanken, der sich fest in mein Gehirn frisst und es sich da gemütlich macht: Du kannst gar nichts!

Jetzt mag man denken, dass es alles halb so wild ist, weil solche Tage jeder mal hat, allerdings passiert mir das in letzter Zeit öfter. Es also als Ausrutscher oder schlechten Tag zu deklarieren, haut somit auch nicht hin. Problematisch wird es, wenn ich gleichzeitig versuche, wenigstens Punkt 1 von der Liste einer Überprüfung zu unterziehen, da ich das auf der Arbeit gar nicht darf (glaube ich zumindest) und auch kein Partner da wäre, der mir bei der Überprüfung helfen könnte.

Also schießt mir 7 Stunden durch den Kopf: „Kündige doch einfach, du kannst es doch eh nicht. Noch 2 bis 3 Jahre und die anderen Kollegen haben dich überholt!“ Natürlich ist die Arbeit kein Wettbewerb und manch einer ist schon vollkommen ausgelastet, wenn er jeden Tag den Weg finden muss und es dabei noch schafft, eine Hose zu tragen, aber ich denke, man versteht, worauf ich hinaus will. Es ist eben das, was ich gut kann. Und es ist mir wichtig, etwas gut zu können. Und mehr und mehr habe ich Angst, dass mein Verstand mich im Stich lässt. Astromathematik war nie mein Steckenpferd und auch Mandarin werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr lernen, aber für das tägliche Brot hat es immer noch gereicht. Da ich zu alt bin, um Profisportler geworden und auch nicht hübsch genug, um mir meine Brötchen als Model zu verdienen, ist dies nunmal die einzige Möglichkeit, die mir bleibt. Leute, ich habe echt Angst, blöd zu werden. Nicht, dass ich herausragend clever bin, aber ich möchte einfach nicht dumm sein.

Ich möchte nicht, dass mein einziges Talent darin besteht, Leute mit der Herr der Ringe-Verfilmung zu nerven und ihnen ungefragt die Unterschiede zwischen Film und Buch zu erklären.

Das ist kein schöner Tag.

Tun wir zu viel?

Gerad läuft bei mir die Sendung „Hart aber fair“. Ist den meisten wohl ein Begriff, oder? Thema der Sendung ist „Gehören Pummel an den Pranger“. Antwort: Nein, tun se nicht.
Darum geht’s aber nicht. Ins Auge fiel mir nämlich der Kommentar eines Users, der schrieb, dass wir in der heutigen Zeit zu sehr übertreiben, ja beinahe schon radikalisieren, wie er es genannt hat.
Und irgendwie denke ich, er hat Recht damit. Zumindest in Teilen. Ich persönlich habe immer öfter den Eindruck, dass wir in einer Gesellschaft der Extreme leben. Geht es in sozialen Netzwerken um Ernährung, habe ich den Eindruck, es gibt entweder die, die sagen: „Ich esse alles, worauf ich Lust habe, Basta!“ und auf der anderen Seite die, die scheinbar tagtäglich mit einer Vitamintabelle herum laufen, um ja nichts zu vergessen.
Ebenso in Sachen Politik. Ganz oft werden Menschen in die rechte Ecke gestellt, wenn sie die Flüchtlingspolitik kritisieren, anderen wird unterstellt, sie seien linksradikale Idioten, die Autos anzünden und Beifall klatschen, wenn eine Frau von einem Asylbewerber vergewaltigt wird.
Als gäbe es nichts mehr dazwischen. Kritisierst du den Kapitalismus in seiner jetzigen Form, bist du Sozialist, der die DDR 2.0 möchte oder noch schlimmer, ein Kommunist.
Entweder treibst du regelmäßig Sport und achtest auf deine Ernährung, oder du wirst mit 45 Jahren an Überfettung und Herzinfarkt sterben. Punkt.

Was ist da los? Tolkien sprach mal von „maßvoller Freiheit“. Jetzt ist es schwer zu sagen, was genau er sich darunter vorgestellt hat, aber ich finde, „maßvoll“ scheint immer mehr zu verschwinden. Denke ich an die letzten Partys zurück, auf denen ich war, da gab es die, die gar nichts getrunken haben und die, die getrunken haben, als gäbe es nie wieder Alkohol. Dazwischen: Nada.

Es scheint nur noch schwarz und weiß zu geben. Arm und reich. Schalke und Dortmund, Jedi oder Sith. Und dabei, denke ich, vergessen wir oft, uns zu entspannen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Man muss sich doch nicht auf eine Seite stellen, oder? „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?“ Ok, das passt vielleicht doch nicht so ganz. Wieso kann ich nicht gleich meinen Salat essen und mir heute Abend am Süßigkeitenautomaten auf der Arbeit ein Knoppers holen? Oder eine kleine Tüte Weingummi?

Antworte auf die Frage nach deinem Befinden mit „Es geht so.“ und ich bin mir sicher, in 9 von 10 Fällen wird nach einer Ursache gefragt. Dabei ist „es geht so“ doch vollkommen in Ordnung. Es gibt Dinge, die gut sind und andere, die es nicht sind. Die wenigsten fragen nach einem Grund, wenn man sagt, dass es einem gut geht. Ich finde, es ist absolut in Ordnung, wenn einem nicht dauerhaft die Sonne aus dem Achterdeck scheint.
Als mich ein Kollege fragte, ob ich für Trump oder Clinton wäre, habe ich mit „weder noch“ geantwortet. Da herrschte Verwirrung. Natürlich gab es dort nur die beiden Optionen, aber warum muss ich mich für eine Seite stets entscheiden? Team Cap oder Team Iron Man? Näää, ich möchte das nicht. Kommt euch entgegen. Wird schon nichts schlimmes passieren.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Montag. Mittelerde steht am Rande der Vernichtung. Wisst ihr noch, als Boromir sagte, man spaziere nicht einfach so in Mordor hinein? Und Frodo und Sam so: „Ja, doch. Irgendwie schon.“
Quatsch, was soll das denn jetzt? Mir fiel heute Morgen, als ich wach wurde ein, wie ich bei mehreren Gelegenheiten gefragt wurde, wo ich mich in 5 oder 10 Jahren sehe. Das passierte als Jugendlicher mal und dann als junger Erwachsener und auch nochmal, als ich Anfang 20, Ende 30 war. Natürlich ändern die Antworten sich, wenn man zu verstehen beginnt, dass man sich nicht nur von einem Wochenende zum Nächsten durch die Schule quält und die Sommerferien nicht alles im Leben sind. Als Kind, das weiß ich noch, habe ich davon geträumt, Astronaut zu werden. Ins All zu fliegen ist heute noch ein Traum von mir, aber einer, von dem ich weiß, dass er sich nicht erfüllen wird. Aber was weiß ich als Kind davon?
Nun, ich habe ja die Angewohnheit, Vergleiche zu ziehen. Das tue ich besonders gern im Bezug auf meine Brüder und alte Schulfreunde. Also Menschen, die in meinem Alter sind, mit denen ich aufgewachsen bin.
Mein kleiner Bruder zum Beispiel. 5 Jahre zurück? Ich glaube, zu der Zeit hat er sich von seiner damaligen Freundin getrennt. War nicht schön. Aber dann: Er lebt mit seiner neuen Freundin zusammen, die beiden haben einen Sohn. Es ist das typische Familienbild, über das so oft gelästert und gelacht wird. Aber er ist glücklich damit.
Der größte Teil meines Freundeskreises lebt ähnlich. Lange Beziehungen, Kinder, Hochzeiten. Auf 3 davon war ich sogar. H. arbeitet in ihrem Traumjob und treibt sich weiterhin munter in aller Welt herum. Ich weiß nicht, wo sie gerade ist, aber das wusste ich bei ihr irgendwie nie so genau. Aber es ist ihre Art zu leben.

Blicke ich jetzt 10 Jahre zurück und schaue, was sich bei mir groß getan hat: Ich bin umgezogen, um nicht jeden Tag knapp 40km zur Arbeit zu fahren. Ich habe einen stummen Infarkt gehabt und habe wieder angefangen, The Walking Dead zu schauen. Bin jetzt in der Mitte der 6. Staffel. (Und Herrgott, könnte bitte jemand Carl die Haare schneiden? Oder ihn ganz aus der Serie nehmen? Meine Güte…)
Was ich sagen will: Ich habe mich in den letzten, naja, sagen wir 20 Jahren nicht entwickelt. Meine Biografie, mein Lebenslauf liest sich immer noch so wie mit 16 oder 17. Ok, ich könnte hinzufügen, wie ich mal eine Viagra geschluckt habe und danach 1 1/2 Stunden im Stau gestanden habe. Das klingt witzig, aber das wars dann auch.

Man sagt ja immer, man solle sich seine Ziele aufschreiben. Und es soll wohl wirklich so sein, dass viele erfolgreiche Menschen (wie auch immer man Erfolg definieren mag), das tatsächlich getan haben. Nur, was sollte ich schreiben? 2 Wochen Barbados mit Scarlett Johansson klingt toll, aber sowas klappt wohl nur in einem Paralleluniversum.
Geplant war das natürlich anders. Mit etwa 22 Jahren war es für mich klar: Du leerst jedes Fass Bier, dass sich dir in den Weg stellt und mit 25 oder 26 gibt’s ne tolle Freundin und bevor du 30 bist, lernst du, Windeln zu wechseln. Jetzt, mehr als 10 Jahre später bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich sage: Nein, du möchtest nicht Vater mit 48 werden. Bis dahin sind noch einige Jahre, aber meine Unfähigkeit, feste Beziehungen zu finden bzw einzugehen, gestaltet das Prozedere nicht einfacher.

Ich denke aber momentan, dass ich in 10 Jahren genau an dem Punkt bin, an dem ich jetzt auch bin. Leute sagen ja immer, man solle so sein, wie man ist. Aber was ist, wenn man das gar nicht möchte? Weil man damit einfach unzufrieden ist? Mal schauen, was ich in 10 Jahren darüber denke.